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Wie wärmere Tage das Bewegungsverhalten von Teenagern beeinflussen

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Beeinflusst das Thermometer, wie sich unsere Jugendlichen bewegen? Eine Studie in Spanien und den Niederlanden untersucht den Zusammenhang zwischen Hitze und körperlicher Aktivität bei Jugendlichen. Lesen Sie die Publikation von Esmée Essers über den Link am Ende dieser Seite.

Da es weltweit immer wärmer wird, verändert unsere Umwelt möglicherweise die Art und Weise, wie sich junge Menschen fortbewegen. An einem milden, sonnigen Tag kann es verlockender sein, zu Fuss zur Schule zu gehen, mit dem Velo zu einem Freund zu fahren oder Zeit im Freien zu verbringen. Doch wenn die Temperaturen weiter steigen: Regt wärmeres Wetter Teenager dann immer noch zur Bewegung an, oder wird es irgendwann zu einem Hindernis?

Diese Frage ist von Bedeutung. Körperliche Aktivität während der Jugend ist unerlässlich für die körperliche Gesundheit, das psychische Wohlbefinden und die Entwicklung von Gewohnheiten, die bis ins Erwachsenenalter andauern können. Dennoch erreichen viele junge Menschen das von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Aktivitätsniveau nicht . Gleichzeitig führt der Klimawandel dazu, dass wärmere Tage und Hitzeextreme häufiger auftreten. Zu verstehen, wie sich die Temperatur auf die tägliche Bewegung auswirkt, ist daher nicht nur eine Frage des Lebensstils, sondern auch eine Frage der öffentlichen Gesundheit und der Klimaanpassung. Im Rahmen einer Zusammenarbeit unter der Leitung von Esmée Essers und Mònica Guxens, Forschende des «Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal)», untertützte Sarah Koch eine Studie mit Jugendlichen in den Niederlanden und Spanien und stellte dabei fest, dass wärmere Tage mit mehr leichter und mässiger körperlicher Aktivität wie Gehen und Velofahren in Verbindung standen, nicht jedoch mit intensiverer Aktivität wie Laufen oder intensivem Sport.

Das Forschungsteam untersuchte, inwiefern die tägliche Temperatureinwirkung mit der Zeit zusammenhing, die Jugendliche mit körperlicher Aktivität unterschiedlicher Intensität verbrachten: leicht (wie Yoga und Spazierengehen), mässig (wie Velofahren) und intensiv (wie Fussballspielen). Das Team verwendete Daten aus zwei europäischen Kohorten: der Generation-R-Studie in den Niederlanden und dem INMA-Projekt in Spanien.

Anstatt sich auf Fragebögen zu stützen, setzte das Forschungsteam am Handgelenk getragene Bewegungssensoren ein – eine Wearable-Technologie, die Bewegungen über den ganzen Tag hinweg aufzeichnet. Ausserdem verknüpfte es die Aktivitätsdaten jedes Jugendlichen mit den Temperaturwerten an dessen Wohnadresse. Wichtig ist, dass das Forschungsteam nicht nur die Temperatur am Tag der Aktivität betrachtete, sondern auch die Temperaturen der Vortage berücksichtigte, da das Wetter von gestern immer noch Einfluss darauf haben kann, wie viel Lust jemand heute auf Bewegung hat.

Das wichtigste Ergebnis war eindeutig: Jugendliche verbrachten an wärmeren Tagen mehr Zeit mit leichter und mässiger körperlicher Aktivität. In der niederländischen Kohorte ging ein Temperaturanstieg um 5 ºC mit rund 11 zusätzlichen Minuten leichter Aktivität und 5 Minuten mässiger Aktivität pro Tag einher. In der spanischen Kohorte waren die Zuwächse sogar noch grösser: rund 16 Minuten leichte und 14 Minuten mässige Aktivität. Das mag nach kleinen Zahlen klingen, doch wenn es um die tägliche Bewegung geht, sind schon kleine Zuwächse von Bedeutung und können zu deutlich gesünderen Routinen beitragen.

Doch hier kommt der interessante Teil: Wärmere Tage führten nicht zu intensiverer Aktivität. Das ist das Paradox, das im Mittelpunkt der Studie steht. Wärme mag Jugendliche dazu einladen, sich mehr zu bewegen, zu Fuss zu gehen, Velo zu fahren, spazieren zu gehen, ungezwungen zu spielen oder sich im Freien aufzuhalten, aber sie scheint sie nicht zu Aktivitäten mit höherer Intensität wie Laufen, schnellen Sportarten oder anstrengendem Training zu motivieren.

Dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen.Leichte und mässige Aktivitäten lassen sich leichter in den Alltag integrieren und sind oft mit dem Aufenthalt im Freien verbunden: zu Fuss zur Schule gehen, Velofahren, sich mit Freunden treffen oder Zeit in Parks und auf Strassen verbringen. Diese Aktivitäten können bei angenehmem Wetter attraktiver erscheinen. Aktivitäten von höherer Intensität hingegen sind möglicherweise strukturierter, wie zum Beispiel organisierter Sport oder Trainingseinheiten, die weniger wetterabhängig sein könnten.

Eine weitere Möglichkeit ist eher biologischer Natur: Mit steigenden Temperaturen wird körperlicher Einsatz mit höherer Intensität unangenehmer und kann den Körper stärker belasten. Ab einem bestimmten Punkt ist Hitze möglicherweise kein Motivationsfaktor mehr, sondern wird zu einem Warnsignal.

Die Studie konnte keinen eindeutigen Temperaturschwellenwert feststellen, ab dem die Aktivität nachliess. Ein wahrscheinlicher Grund dafür ist, dass die in unseren Daten beobachteten Temperaturen moderat waren. Dem Forschungsteam standen nur begrenzte Daten von sehr heissen Sommertagen zur Verfügung, was bedeutet, dass möglicherweise nicht die Bedingungen erfasst wurden, unter denen Hitze zu einem grösseren Hindernis wird. Dies ist ein wichtiger Punkt für die zukünftige Forschung, insbesondere da der Klimawandel die Häufigkeit und Intensität von Hitzewellen erhöht. 

Was bedeutet das nun in der Praxis?

  1. Bei der Entwicklung von Strategien zur Förderung körperlicher Aktivität bei Jugendlichen sollte die Temperatur berücksichtigt werden. Eine Kampagne, die Jugendliche zu mehr Bewegung animiert, wirkt im Frühling möglicherweise anders als während einer Hitzewelle.
  2. Schulen, Sportvereine und Stadtverwaltungen müssen sich ernsthaft Gedanken über klimangepasste Bewegungsumgebungen machen. Schatten, Bäume, Trinkwasser, kühlere Spielplätze, sichere Velowege und der Zugang zu überdachten oder schattigen Sportanlagen sollten kein Luxus sein. Sie sind Teil der unverzichtbaren Infrastruktur, die erforderlich ist, damit Jugendliche sicher aktiv bleiben können.

Wärmere Tage mögen Jugendliche dazu anregen, sich mehr leicht und mässig körperlich zu betätigen, doch wenn wir wollen, dass junge Menschen angesichts des Klimawandels aktiv, gesund und geschützt bleiben, müssen wir uns auf die Hitze einstellen. Einen aktiven Lebensstil in einer sich erwärmenden Welt zu fördern, bedeutet, Umgebungen zu schaffen, in denen sich alle Jugendlichen bequem und sicher bewegen können.

Gegenstand weiterführender Forschung wäre zudem, inwieweit höhere Temperaturen die körperliche Aktivität von Schweizer Jugendlichen beeinflussen. 

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